Zwischen Beachbody und Bananenbrot: Macht uns die Pandemie sportlicher?
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Zwischen Beachbody und Bananenbrot: Macht uns die Pandemie sportlicher?

24/06/2020

Das Coronavirus verändert unser Leben nachhaltig. Plötzlich gelten neue Regeln im gesellschaftlichen Miteinander und auch in unserer eigenen Privatheit haben wir uns auf neue Prinzipien und Gewohnheiten – und zum Teil auch auf neue Werte – geeinigt. Lange Zeit galt „The new Normal“ als das Bonmot der Stunde. Wie manifestiert sich diese neue Normalität? Wie radikal sind die Veränderungen? Vor allem aber: Bleibt das jetzt für immer so? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigen wir uns an dieser Stelle seit einigen Wochen. Thema heute: Bewegung.

Corona: Die Zeit der Bananenbrote, Teams-Konferenzen und leeren Toilettenpapier-Regale – nicht nur. Denn nach wochenlangem Sofaplattsitzen und dem zigsten selbstgebackenen Kuchen ist schon in dem ein oder anderen das schlechte Gewissen erwacht: Ich muss mich mal wieder bewegen. Seit Wochen spielt sich der Alltag zum großen Teil in den eigenen Quadratmetern ab und das merkt auch unser Bewegungsapparat. Zum Schreibtisch, Kühlschrank und Sofa ist es eben nicht so weit wie zum Büro, zum Restaurant oder ins Fitnessstudio. Ob schlechtes Gewissen, Bewegungsdrang oder Langeweile, Home-Workouts oder Lauftraining sind für viele Bestandteil ihres Corona-Alltags geworden. 

Am Montagmorgen, den 22. Juni, begrüßt Pamela Reif in ihren Instagram Stories sechs Millionen Follower. Vor ein paar Wochen, Anfang April waren es noch 1,5 Millionen weniger. Die 23-jährige Fitness-Influencerin ist mit Workout Videos erfolgreich und konnte schon vor Corona Jahresverträge mit Sportmode-, Food- oder Beauty-Marken an Land ziehen. Mittlerweile werden ihre Youtube-Workouts – deren Veröffentlichungsfrequenz sie seit Corona deutlich erhöht hat – innerhalb kürzester Zeit millionenfach geklickt. „Dadurch, dass die Fitnesstudios jetzt geschlossen sind und man sich nur noch begrenzt im Freien aufhalten kann, kommt eine unglaubliche Dynamik in das Home-Workout-Thema“, sagt sie im Interview mit der Textilwirtschaft.

FIT BLEIBEN UM JEDEN PREIS

Sport im eigenen Wohnzimmer geht zwar, wie Pamela Reif es vormacht, auch ohne zusätzliche Geräte, dennoch ist auch der Abverkauf von Sportgeräten seit März enorm angestiegen. So wurden bei OTTO zuletzt sechsmal so häufig Hanteln gekauft wie gewöhnlich. Auch beim Fulfillment Dienstleister odc macht sich der Hype bemerkbar: „Bei unseren Kunden im Fitnessbereich merken wir einen deutlichen Anstieg von bis zum Siebenfachen des Bestellvolumens im Februar“, so der CEO der Otto Group Tochter, Christian Athen.

Renner auf otto.de unter Corona

Neben Gewichten und Yogamatten greifen Heimsportler auch vermehrt zu größeren Geräten: Die Anzahl der Abonnenten des Heimtrainer-Fahrrads Peloton stieg in sechs Wochen um 13 Prozent. Mitte Mai verkündete das Unternehmen, dass nun die Hürde von einer Million Abos geknackt wurde. Das Peloton-Fahrrad ist nämlich nicht nur Hometrainer, sondern über den eingebauten Bildschirm können im monatlichen Abo Kurse und Live-Workouts abgerufen werden. So kann gemeinsam hinter dem Bildschirm geschwitzt werden.  Nicht nur Indoor, auch Outdoor wird sich – nach Möglichkeit – bewegt. Laut dem Google-Mobility-Report vom 11. April nahm die Mobilität in Parks um 35 Prozent zu. 

Der Sandweg um die Hamburger Alster ist zurzeit bei Joggern noch beliebter als ohnehin schon, sodass das Bezirksamt Eimsbüttel ihn streckenweise mit einer weißen Kreidelinie in zwei Spuren trennen musste, um das Ansteckungsrisiko durch entgegenkommende Läufer zu reduzieren. Laut einer weltweiten Studie der Marke Asics unter Sporttreibenden bewegen sich 34 Prozent der deutschen Teilnehmer*innen sogar mehr als vor Corona, schließlich hilft Bewegung und Sport auch dabei, den Kopf freizubekommen – das gaben auch knapp 80 Prozent der Befragten als Grund um mehr zu laufen an.

Ein Dauer-Trend oder zeitlich begrenzt?

Obwohl Fitnessstudios nun seit Anfang Juni wieder öffnen dürfen, geht aus den Mobility Daten von Google hervor, dass auch Mitte Juni deutsche Parks um über 30 Prozent mehr besucht werden als vor Corona. „Deutschland wird fitter aus der Krise herauskommen, als es vorher war. Ich habe noch nie so viele Läufer draußen gesehen“, prophezeit auch der Sportpsychologe und Langstreckenläufer Oliver Stoll in einem Beitrag der ARD-„Sportschau“. Die Benefits von Bewegung an der frischen Luft scheinen uns auch langfristig überzeugt zu haben, ähnlich wie auch zu Hause mal auf die Matte zu hüpfen: Pamela Reifs „Get Motivated Workout“ hatte nur wenige Stunden nach dem Upload am Dienstagmorgen schon über 150.000 Klicks.

Jetzt wo wir alle mit Yogamatten, Gewichten und Laufschuhen ausgestattet sind und uns genauestens im Sortiment der Online-Workout-Pläne auskennen, sollte es schwer fallen, diese in Zukunft völlig zu ignorieren. Denn auch wenn unsere Freizeitaktivitäten wieder zunehmen und den Trainingsplan vorsichtig verdrängen, ist die Hemmschwelle nun sehr viel niedriger. 


BRINGT DIE PANDEMIE DEN FINALEN DURCHBRUCH FÜRS E-LEARNING?

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WIE WIRKT SICH CORONA LANGFRISTIG AUF UNSERE FREUNDSCHAFTEN AUS?

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MACHT UNS DIE PANDEMIE ZU GEDULDIGEREN KONSUMENT*INNEN?

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WIE VERÄNDERT DIE PANDEMIE UNSEREN MEDIENKONSUM UND INFORMATIONSFLUSS?

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Carlotta Schaffner, Otto Group Digital Solutions

 

 
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