16.
Januar
2015
Barthel bloggt: Als CR-Managerin unterwegs in Asien - Teil 1

Barthel bloggt: Als CR-Managerin unterwegs in Asien - Teil 1

  Maren Barthel
(Corporate Responsibility Managerin für die Otto Group )

Guten Tag aus der Türkei – dem nach China und Hongkong (noch immer) drittgrößten Einkaufsmarkt der Otto Group. Mein Name ist Maren Barthel und ich bin seit über sieben Jahren als zuständige Corporate Responsibility-Managerin für die Otto Group in diesen Ländern unterwegs. 

Maren Barthel - Corporate Responsibility Managerin der Otto GroupMeine Aufgabe ähnelt dabei oftmals einem ständigen Brücken schlagen zwischen den verschiedensten Gegensätzen. Denn die Produkte, die wir in den Unternehmen der Otto Group anbieten, werden weltweit produziert. Unser Konzernanspruch ist, dass dies unter sozialverträglichen Arbeitsbedingungen und umweltgerecht geschieht. 

Die Realitäten in den von uns beauftragten Produktionsstätten, beispielsweise in China, Indien oder der Türkei stimmen jedoch oft nicht mit dem Bild überein, das wir uns in Deutschland von den Verhältnissen vor Ort machen. Kulturelle, religiöse und sozioökonomische Faktoren spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Missverständnisse und Frustration auf beiden Seiten sind keine Seltenheit und führen bei der Implementierung unseres ehrgeizigen Sozialprogramms immer wieder zu schwierigen, aber auch manchmal absurden oder komischen Situationen. Über diese möchte ich gern berichten und zeigen, warum sich manche Dinge in den Produktionsländern nur langsam verändern lassen, welche Erfolge wir erzielen und wo wir mit unseren westlichen Vorstellungen und Vorgaben schlicht an Grenzen stoßen – und somit zu einem noch besseren Verständnis der Bedingungen vor Ort beitragen.  

Teil 1: Yes Ma’am Sir! – Erfahrungen als weibliche Corporate Responsibility-Managerin

Unterwegs in einem meiner Lieblingsländer: Bangladesch. Und nein, das ist nicht ironisch gemeint! Ich weiß, es gibt eine Reihe von Leuten, die froh sind, wenn sie endlich wieder im Flugzeug sitzen und das Land verlassen können. Aber zu denen gehöre ich definitiv nicht. Ich mag Bangladesch wirklich, und das, obwohl es mir manchmal die Nerven raubt und mich emotional an meine Grenzen bringt. 

Die Menschen hier sind nämlich einfach großartig. Sie zeichnen sich durch Humor, große Toleranz, Gelassenheit und enorme Herzlichkeit aus. Trotzdem nehmen viele Europäer an, dass man es gerade als Geschäftsfrau in diesem Land mit der Akzeptanz besonders schwer hat, da die meisten Geschäftsleute zum einen männlich sind und zum anderen eine vornehmlich muslimisch-patriarchalisch geprägte Kultur herrscht. Das kann ich so nicht unterschreiben. Zwar sind Geschäftsfrauen tatsächlich eher selten anzutreffen, aber wenn man gewisse Regeln einhält – dazu gehören unter anderem angemessene Kleidung und Verhaltensweisen – mangelt es nicht an Respekt im geschäftlichen Umgang. Dennoch gibt es immer mal wieder skurrile Situationen. Ein Beispiel: 

Ich bin erneut in einer von uns beauftragten Fabrik und überprüfe, ob nach dem letzten Audit alle angemerkten Korrekturmaßnahmen umgesetzt wurden. Wurden sie nicht. Leider. Abermals erkläre ich dem Zuständigen, warum die Arbeiter an den Stanzmaschinen einen Ohrenschutz tragen müssen und wie er dieses auch sicherstellen kann. Mr. Ansar strahlt mich an, nickt mit dem Kopf und versichert mir: „Yes Ma’am Sir, I understand, we’ll do now“.

Im ersten Moment stutze ich: „Ma’am SIR“? Macht er sich über mich lustig, nimmt er mich nicht ernst? Nein, denn mittlerweile weiß ich, dass in Bangladesch „Sir“ nun mal die gängigere Ansprechform im Geschäftsumgang ist. Inzwischen nehme ich es gar nicht mehr wahr, wenn ich mit „Ma’am Sir“ oder auch nur „Sir“ angesprochen werde, denn das, was wirklich zählt, ist, dass meine Botschaft ankommt: Die geforderten Korrekturmaßnahmen müssen umgesetzt werden. Und zwar nicht irgendwann und irgendwie, sondern umgehend und exakt. Sonst wird die Zusammenarbeit mittelfristig beendet. Eine typisch europäische Anweisung, die hier vor allem in asiatischen Ländern oft auf kulturell bedingtes Unverständnis stößt. Damit beide Kulturen aber trotz solcher Unterschiede für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Auftraggeber und Lieferant zusammenfinden, kann der Schlüssel nur gegenseitiger Respekt sein.   


Die meisten unserer Lieferanten, sei es in Bangladesh, China, Indien oder sonst wo auf der Welt sind tatsächlich sehr herzlich und kooperativ, gleichzeitig können manche von ihnen aber manchmal auch eben etwas zu „entspannt“ sein – insbesondere im Hinblick auf die Umsetzung unserer Vorgaben. Wie sich das auch äußert, werde ich im nächsten Beitrag beschreiben. Um auf dem Laufenden zu bleiben, können Sie bequem den Newsletter von ottogroupunterwegs.com abonnieren.



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