Zum fünften Geburtstag von Ratepay möchte ich eine kleine Bilanz ziehen: als Mit-Gründerin, als Mutter, Vorgesetzte und als Frau in der Fintech-Branche.
Wo fange ich an? Letzte Woche war ich auf einem Branchen-Dinner. Unter den 50 Eingeladenen waren drei Frauen. Das ist so typisch, dass ich schon gar nicht mehr darüber nachdenke. Ein Kollege machte mich darauf aufmerksam.
Da stellte ich mir die Frage: Woran liegt es wohl, dass es hierzulande immer noch so wenige Gründerinnen gibt? Ich habe da eine Theorie: Es liegt an der Blockade im Kopf! Die Momente, in denen Frauen gründen könnten, fallen oftmals mit den Momenten zusammen, in denen die Kinderfrage aufkommt. Entweder direkt nach dem Studium oder in den Dreißigern, wenn man sich einigermaßen im Job etabliert hat. Bei den meisten Frauen setzt dann das Sicherheitsdenken ein und diktiert: feste Anstellung, geregeltes Einkommen, gut bezahlte Elternzeit. Die sogenannte Blockade.
Hinzu kommt, d
ass in der deutschen Arbeitswelt Kinder als
Bedrohung und nicht als Bereicherung angesehen werden. Das ist in vielen
Ländern anders. Ich selbst habe jahrelang in Holland gearbeitet und wurde von
meinem Chef aufgefordert, doch mal ans Kinderkriegen zu denken. Diesen natürlichen
Umgang mit dem Kinderthema lebe ich heute selbst als Vorgesetzte von
mittlerweile 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Berlin.
In den fünf Jahren Ratepay wurden fünfzehn Babys geboren und oft haben auch die Väter Elternzeit genommen. Ich beobachte mit Freude, dass eine neue Vätergeneration heranwächst, die gern Verantwortung übernimmt. Auch das wird es in Zukunft für Frauen leichter machen. Mir ist außerdem wichtig, dass auch Frauen, die Teilzeit arbeiten, Führungskräfte sein können. Ich habe zwei weibliche Führungskräfte mit Kindern in meinem Team, die in Teilzeit arbeiten. Wenn irgendjemand eine abfällige Bemerkung macht und sei es auch nur Spaß, bekommt er es mit mir zu tun.
Ich persönlich möchte auch keine Quotenfrau sein, aber vielleicht ist es nötig, auf diese Weise mehr Akzeptanz für Frauen in Führungspositionen zu schaffen. Auch Frauennetzwerke haben mich nicht dahin gebracht, wo ich bin. Allgemein möchte ich Frauen Mut machen, sich mehr zu trauen, zu gründen oder bei Start-Ups anzufangen. Denn nur so können wir selbst Regeln aufstellen, nach denen wir leben und arbeiten wollen. Dann macht es auch Spaß. Ich freue mich jeden Tag auf meinen Job, weil ich am Morgen nie weiß, was am Tag genau passieren wird. Dieses Erlebnis wünsche ich noch viel mehr Frauen.
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